Kursinhalt
8. Abschlusstest
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9. Ressourcen und Downloads
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Hintergrundwissen und aktueller Stand

Das Kreuzfahrtsegment ist seit Jahren fester Bestandteil des touristischen Angebotes und erfreut sich großer Beliebtheit. Gleichzeitig werden Kreuzfahrten aufgrund der hohen CO₂e-Emissionen, der Verschmutzung der Meere, Störungen der marinen Unterwasserwelt und des hohen Energie- und Ressourcenverbrauchs (ebenso wie Unterkünfte an Land) kritisch betrachtet. In diesem Kapitel erhalten Sie Hintergrundwissen zu diesen und weiteren Nachhaltigkeitsaspekten bei Kreuzfahrten sowie praktische Tipps, um Ihren Kund:innen Anbieter empfehlen können, die effektive Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetzen.

1. Hoher CO₂-Ausstoß durch Nutzung klimaschädlicher Antriebe

Der Antrieb von Kreuzfahrtschiffen benötigt sehr viel Treibstoff. Je nach Treibstoffart sind die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Klima unterschiedlich hoch. Schweröl ist bspw. sehr schädlich, auch aufgrund des hohen Schwefelanteils, aber am günstigsten. Marinediesel ist schwefelärmer als Schweröl und damit etwas sauberer, allerdings auch teurer. Flüssigerdgas (LNG) emittiert weniger Schadstoffemissionen, bei der Erdgasförderung als auch Verbrennung entweicht jedoch Methan, welches ein Vielfaches schädlicher ist als reines CO₂.

Um die Emissionen signifikant zu reduzieren, ist ein emissionsarmer Antrieb aus regenerativen Energiequellen wie grüner Wasserstoff, Solar oder Elektro notwendig, jedoch in der Praxis aufgrund fehlender Mengen oder zu hohen Kosten nicht umgesetzt.

Reedereien verzichten zunehmend auf Schweröl als Antriebsart und nutzen Marinediesel oder LNG als Antrieb. Batteriebetrieb, Bio- oder synthetische Kraftstoffe sind in der Erprobung, kurz- oder mittelfristig jedoch nicht in ausreichenden Mengen oder fehlender Infrastruktur verfügbar.

Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters darauf, dass moderne Schiffe mit klimafreundlicheren Antriebstechnologien zum Einsatz kommen. Informationen hierzu finden Sie im Kreuzfahrtranking des NABU Naturschutzbund oder der internationalen Umweltorganisation Friends of the Earth sowie in den Nachhaltigkeitsberichten der Reedereien.

2. Nutzung von Landstrom

Mit Hilfe von Landstrom werden Schiffe im Hafen mit Strom aus Energiequellen an Land versorgt und können während dieser Zeit die Motoren komplett abschalten. Der Vorteil: Es entstehen keine Emissionen im Hafen, solange das Schiff während der Liegezeit mit Landstrom versorgt wird. Aber: Es entstehen Emissionen an anderer Stelle, nämlich bei der Herstellung des Stroms. Dies kann nur vermieden werden, wenn der Landstrom aus 100 % erneuerbaren Quellen stammt.

Jedoch verfügen nur 3 % aller Häfen weltweit über einen Landstromanschluss (davon sind knapp 20 in Europa) und knapp 58,5 % aller Schiffe haben einen Landstromanschluss, bzw. nicht alle erhalten im entsprechenden Hafen einen Liegeplatz mit Stromverfügbarkeit. Aufgrund von verpflichtenden EU-Regularien wird sich die Verfügbarkeit in Häfen mittelfristig verbessern.

Die meisten neuen Schiffe sind mittlerweile für die Landstrom-Nutzung ausgerüstet. Auch ältere Schiffe werden kontinuierlich nachgerüstet. Auch die aktive Nutzung von Landstrom durch Reedereien steigt, da auch immer mehr Häfen die nötige Infrastruktur bieten.

Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters darauf, ob Angaben zur Nutzung von Landstrom gemacht werden und empfehlen Sie bevorzugt die Schiffe, die nachweislich Landstrom nutzen (sofern im Hafen verfügbar).

3. Luftschadstoffe

Kreuzfahrtschiffe können – je nach verwendetem Treibstoff – erhebliche Luftverschmutzung verursachen, indem neben CO₂ auch Feinstaub, Ruß, Stickoxide und Schwefeloxide entstehen, die Mensch und Natur belasten (bspw. durch Reizung der Atemwege). Wie unter Punkt 1 beschrieben, verursacht die Nutzung von Schweröl als Treibstoff eine hohe Luftverschmutzung, insbesondere durch die ausgestoßenen Schwefeloxide. Wird bspw. LNG anstatt erdölbasierter Treibstoffe eingesetzt, reduziert sich die Stickoxidbelastung um bis zu 90 %, die Feinstaubbelastung um knapp 100 %.

Der Ausstoß von Schadstoffen in küstennahen Gebieten als auch auf See ist mit strengen Grenzwerten in sogenannten Schutzgebieten geregelt.

Reedereien, deren Schiffe noch mit Schweröl fahren, setzen Abgasfilter (sogenannte „Scrubber“) sowie Katalysatoren ein, um die Schadstoffe zu reduzieren (Scrubber reduzieren bspw. die Schwefelbelastung um ca. 99 % und die Feinstaub-/Rußbelastung um 60 %). Schiffe, die mit Flüssigerdgas (LNG) oder anderen, nicht Erdöl-basierten Treibstoffen fahren, erfüllen die Vorgaben zu Schwefel- und Stickoxid-Emissionen.

Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters darauf, mit welchem Antrieb die Schiffe unterwegs sind, es sollten Schiffe mit LNG-Antrieb bevorzugt werden.

4. Umgang mit natürlichen Ressourcen und Abfallvermeidung

Kreuzfahrtschiffe verbrauchen eine nicht unerhebliche Menge an natürlichen Ressourcen wie bspw. Wasser, Energie und Lebensmittel. Bspw. ist der tägliche Wasserverbrauch eines Schiffsgastes mit ca. 180–240 Litern zw. 42 und 90 % höher als der eines:einer durchschnittlichen Deutschen mit 126 Litern. Zusätzlich entstehen auf einem Kreuzfahrtschiff mit Tausenden von Gästen große Mengen an Abfall. Ein internationales Abkommen (MARPOL) schreibt die sorgfältige Trennung von verschiedenen Abfallarten vor.

Viele Reedereien versuchen durch verschiedene Maßnahmen (wie bspw. durch technologische Innovationen) den Wasserverbrauch an Bord zu reduzieren. Vielfach wird Trinkwasser aus aufbereitetem Meerwasser produziert und dieses aus Spendern mit wiederverwendbaren Trinkflaschen angeboten und so gleichzeitig Verpackungsabfälle vermieden.

Die Entsorgung des gesammelten und getrennten Abfalls ist nicht geregelt, entsprechend übergeben einige Reedereien ihren Abfall und auch die Verantwortung für die weitere Verarbeitung (bspw. Recycling) an ein Entsorgungsunternehmen an Land, ohne zu kontrollieren, was mit dem getrennten Abfall letztendlich passiert. Andere wiederum übernehmen Verantwortung und kontrollieren die weitere Entsorgung.

Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters darauf, ob und welche Maßnahmen zur Reduzierung von natürlichen Ressourcen sowie zur Abfallentsorgung umgesetzt werden (Informationen finden Sie bspw. in den Nachhaltigkeitsberichten der Reedereien). Ermuntern Sie Ihren Kund:innen außerdem, ihre eigenen wiederverwendbaren Trinkflaschen mitzunehmen.

5. Beschaffung von Lebensmitteln und Vermeidung von Lebensmittelabfällen

Aufgrund von strengen Hygiene-Standards, mangelnder Verfügbarkeit, dem Bedarf an großen Mengen, Erwartungen an gleichbleibende Qualität erfolgt der Einkauf von Lebensmittel sehr häufig zentral und wird per Container in die jeweiligen Häfen geschickt, was zu langen, nicht gerade umweltfreundlichen Transportwegen führt. Die regionale Wirtschaft profitiert eher weniger, da vor allem kleine Anbieter:innen häufig nicht die vorgegebenen Standards der Reedereien erfüllen können. Darüber hinaus verhindern strenge Hygiene-Standards in gewissen Ländern (bspw. USA) einen lokalen bzw. regionalen Einkauf.

Immer mehr Reedereien kaufen (ausgewählte) Lebensmittel vor Ort ein, vor allem jene mit kleineren Schiffen oder Routen außerhalb der USA. Auch werden Programme zum Verzicht von besonders kritischen Produkten wie Palmöl oder bedrohten Tierarten als auch Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen umgesetzt.

Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters darauf, dass die Reedereien verstärkt regionale / lokale Speisen und Getränke oder bio-zertifizierte Produkte anbieten.

6. Arbeitsbedingungen an Bord

Lange Arbeitszeiten, eine 7-Tage-Woche sowie Überstunden sind häufig Teil der Arbeitsbedingungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Dazu kommen wenig Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten und beengte Unterkünfte unter Deck. Die Arbeits- und Lebensbedingungen haben sich vor allem seit der Einführung von Mindeststandards durch die Maritime Labour Convention (MLC) in den letzten Jahren verbessert. Diese Mindeststandards legen bspw. die maximale tägliche und wöchentliche Arbeitszeit, das Lohnniveau, die Größe der Unterkünfte oder Gesundheitsleistungen festgelegt. Die gesetzlichen Regelungen hängen von dem jeweiligen Staat ab, unter dessen Flagge ein Schiff fährt. Kontrolliert wird die Einhaltung der Standards durch die jeweiligen staatlichen Hafenbehörden, allerdings variiert die Intensität der Kontrolle je nach Land, daher können Verstöße vorkommen.

Neben der Einhaltung der Mindeststandards setzen einige Reedereien darüber hinaus weitere Maßnahmen um, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen an Bord zu verbessern. Dazu gehören bspw. Aus- und Weiterbildungen oder Schulungen.

Achten Sie bei der Auswahl der Anbieter auf Angaben zu Lebens- und Arbeitsbedingungen, Informationen dazu finden Sie in den Nachhaltigkeitsberichten der Reedereien.

Es gibt – anders als im Hotelsektor – bisher kein Nachhaltigkeitslabel für die Kreuzfahrtbranche, an dem Sie sich orientieren können, doch einige Reedereien veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte, in denen sie über ökologische, ökonomische und soziale Maßnahmen informieren. Auch im Kreuzfahrtranking des NABU Naturschutzbund oder der internationalen Umweltorganisation Friends of the Earth können Sie nachlesen, welche Reedereien hinsichtlich ihrer Bemühungen für eine umwelt- und klimafreundlichere Kreuzfahrt bereits auf gutem Kurs sind.

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